Monatsspruch

Evangelisch-Lutherische Kirche Stützengrün

Monatsspruch März 2011:


Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.    

                                                        (Psalm 62,6)



Gedanken zum Monatsspruch:


Durch das Karnevalstreiben bis Aschermittwoch am 9, März, beginnt der Monat in diesem Jahr in vielen Teilen Deutschlands eher unruhig. Es finden Umzüge mit Musik und Lärm statt. Auf den Straßen wird getanzt und gefeiert - und viele haben danach Katerstimmung. – So beginnt der Auftakt vorösterlicher Fastenzeit... Wohl für viele auch mit einer Sehnsucht nach Ruhe. Doch wie lange? Für andere wieder ist Untätigkeit aufgezwungen, etwa durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit. Sie alle hätten nichts lieber, als wieder sinnvoll ihre Zeit verbringen zu dürfen. Wie merken also, wie vieldeutig menschliche Begriffe sein können. „Ruhe“ kann Verschiedenes bedeuten. Sie berührt auch verschiedene Lebenssituationen. Wir können zunächst zwischen äußerer und innerer Ruhe unterscheiden, ohne dass das eine vom anderen abzugrenzen wäre. Mitten in „Sturm und Hektik“ des Alltags kann man ruhig; und man kann, obwohl es um einen herum äußerlich ruhig scheint, voll innerer Unruhe sein, z. B. nachts, wenn man aus dem Schlaf gerissen wird und nicht mehr einschlafen kann. Ruhe ist nicht etwas, das wie der Lärm in dB gemessen werden kann, denn sie hat vor allem mit unserm Seelenleben zu tun. Und darüber weiß der Beter David: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung. Viele in unseren Tagen aber wollen gar nicht zur Ruhe kommen. Vielmehr fürchten sie sich davor. Haben Sie schon beobachtet, wie viele junge Menschen tagaus tagein auf der Straße mit Kopfhörern herumgehen? Und oft ist das Abspielgerät so laut eingestellt, dass man fast verstehen kann, was gerade läuft ... In Hamburg hat ein Arzt eine Studie gemacht, warum auffällig viele, die in den Ruhestand treten, schon nach wenigen Jahren sterben. Halten sie die ihnen aufgezwungene Ruhe vielleicht nicht aus? – Auch Ruhestand kann offenbar zur Belastung werden. Der große Denker und Lehrer der Kirche, Augustin, hat vor mehr als anderthalb Jahrtausenden geschrieben: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in Gott.“ – Welche Höhen und Abgründe wird er durchschritten haben, bis er zu diesem Schluss kam? „Unruhig ist mein Herz ...“ es sucht nach Ruhe, es gelingt ihm aber nicht, solange diese Suche nur auf unsere eigenen Kräfte baut. Ruhe können wir uns nicht schaffen, erwerben oder kaufen.Ruhe muss uns geschenkt werden. Dabei ist nicht an die letzte, ewige Ruhe gedacht, mit der wir uns vielleicht manchmal trösten. Für den Psalmdichter und Augustin ist mit der Ruhefindung bei Gott eine tatsächliche, in dieses irdische Leben mögliche Erfahrung gemeint. Wussten beide schon mehr um unser Seelenleben, als wir heute mit unseren „modernen“ Methoden? Die heutige Meinung ist, dass wir dank moderner Technik in unserem Gehirn alles messen und erforschen können wie auf einer Landkarte. Doch wie oft muss zu chemischen Mitteln gegriffen werden, um erkannte Unruhe zur Ruhe zu bringen! Die früheren Menschen wussten davon noch wenig, haben aber näher an der Quelle gesucht. Schon am Ende der Schöpfungsgeschichte steht: „ ... und Gott ruhte am 7. Tage von all seinen Werken. Und Gott segnete den 7. Tag und heiligte ihn ...“ (Gen. 2, 2 b + 3 a) Ruhe bedeutet also, nicht das Nichtstun und lange Weile, sondern Einssein mit der ganzen Schöpfung und mit dem Schöpfer. Bleibt nur die Hoffnung, dass auch wir dazu finden!

Mit freundlichen Grüßen

        Pfarrer Thomas Kummer

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Inhalt: Alexander Männel, André Leistner